Im Jahre 2004 wurde Respektiere zusammen mit dem Grazer
Verein ForAnimals auf die Situation der Hummer und
Krebstiere in Österreich aufmerksam. Noch keine andere
Organisation hatte sich in unserem Land bis zu diesem
Zeitpunkt um das Schicksal jener ‚Randgruppe’ so wirklich
gekümmert.
Dabei ist das Leid ein so offensichtliches: die Krebstiere, von
Natur aus EinzelgängerInnen, vegetieren in den
Verkaufsbecken oft übereinander gestapelt, die Scheren stets
mit Gummibändern gefesselt, weil sich die scheuen Tiere in
der extremen Stresssituation ansonst gegenseitig töten
würden. Das Martyrium beginnt aber schon lange vor der
öffentlichen Ausstellung; im Meer werden tausende so
genannter Hummerkörbe positioniert, wo die Tiere zwar rein
aber nicht mehr raus können. Viele dieser Fallen, jährlich
zehntausende, treiben ab, die Hummer rettungslos verloren,
dem Verhungern ausgesetzt.
Jene, die von den Fischern eingesammelt werden, kommen in
riesige Meerwassertanks, werden zu Dutzenden oft
wochenlang platzsparend zusammengebunden, dann in Kisten
in feuchtem Papier gepackt und auf die lange Reise nach
Europa oder Asien versendet (die Hauptfanggebiete von
Hummern liegen an der Küste Neuenglands und Ostkanadas).
Dort angekommen, werden sie im Schauraum der Geschäfte
ausgestellt, den Blicken und oft auch Klopfen der
Menschenmassen hilflos ausgesetzt. Letztendlich folgt ein
äußerst brutales Ende, nämlich dann, wenn die Krebstiere –
als einzig zulässige Tötungsart übrigens – in kochendem
Wasser einen minutenlangen Todeskampf fechten...
RespekTiere organisierte ab 2005 bis 2010 alljährlich einen so
genannten Hummer-Aktionstag vor den Metro-Filialen in
Österreich; am Höhepunkt wurde gleichzeitig vor fast allen
Standorten die Meinung kundgetan. Und nicht nur davor, es
gab besonders in Salzburg und Innsbruck auch mehrere so
genannte ‚Run Ins’, wo besonders mutige AktivistInnen in den
Geschäften direkt vor den Becken Transparente entrollten. In
Salzburg entledigte sich ein Aktivist direkt im Geschäft seiner
Kleidung, um dann, den Körper blutrot bemalt, nur mit einem
Lendenschurz bekleidet den erstaunten KundInnen ein Schild
‚Gekocht werden tut weh‘ entgegenzustrecken! Zuletzt
beteiligten sich dann auch noch TierschützerInnen aus
Deutschland an dem Ereignis. Metro reagierte zuerst
freundlich; es gelang uns sogar einen Hummer frei zu
bekommen, welchen wir symbolisch für alle Not leidenden
ArtgenossInnen in einem Gnadenhof unterbringen konnten.
Bald jedoch verschlechterte sich das Gesprächsklima; wir
konnten aber dennoch immer wieder Fortschritte erreichen,
so wurden die Hummerbecken abgedunkelt, mit Inventar
versehen, Schilder im Tierschutzgedanken wurden in den
Geschäften montiert. 2007 übergab eine RespekTiere-
Delegation mehr als 1000 Unterschriften von Menschen,
welche sich allesamt gegen die Hummerhälterung
ausgesprochen hatten.
Die Metro-GeschäftsführerInnen leiteten schließlich unseren
gesamten Schriftverkehr an die Polizei weiter; völlig
unverständlich deklarierte diese die Kampagne als
Teilkampagne einer ominösen ‚kriminellen Vereinigung‘ und
bedrohte uns monatelang mit dem ‚Mafiaparagraphen‘ 278 a,
rechtfertigte damit eine Hausdurchsuchung!!!
RespekTiere weitete die Proteste ungeachtet dessen auf
andere Konzerne aus, insbesondere auf die verschiedenen
Pfeiffer-Filialen.
Dem nicht genug, begannen wir alsbald mit Anzeigenserien
gegen Restaurants. Immer stützen wir uns dabei auf das
Tierschutzgesetz, welches die Krebstiere mit den Wirbeltieren
gleichstellt und eindeutig vermerkt: ‚Die Bewegungsfreiheit
eines Tieres darf nicht so eingeschränkt sein, dass dem Tier
Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden oder es in
schere Angst versetzt wird‘. Wogegen die Hummerhälterung
wohl nur allzu deutlich verstößt…
Wir schafften es schließlich die Angelegenheit bis in den
Nationalrat zu bringen. Auch den Tierschutzrat, welcher eine
beratende Funktion für den für Tierschutz zuständigen
Gesundheitsminister inne hat, konnten wir letztendlich für
uns gewinnen, sowie bis auf zwei sämtliche Tierschutz-
Ombudsmänner und –frauen! Es folgte eine Verurteilung eines
Fischhändlers auf Grund unserer Anzeigen und ein höchst
erfreuliches UVS-Urteil, welches die Hummerhälterung in der
bisherigen Form plötzlich unter Strafe stellt!
Immer wieder setzen wir nun mit Kundgebungen nach, auch
direkt vor dem Parlament mit der Forderung nach einem
Lebendhummerverkaufsverbot.
Ab 2010 verschwanden die Hummer immer mehr aus den
Geschäften und Restaurants und heute haben wir den Kampf
fast gewonnen – es braucht nun nur noch den letztendlichen
‚Ritterschlag’ durch den Gesundheitsminister, welcher
wegweisend auf unsere Frage während der Verleihung des
Österreichischen Tierschutzpreises im November 2010 ‚Herr
Minister, wenn wir hier schon versammelt sind, machen wir
auch gleich wirklichen Tierschutz! Wann kommt das
Hummerverkaufsverbot?‘, sinngemäß antwortete: ‚Ja,
heutzutage braucht nun wirklich niemand Hummer essen!’...
Folgt das Verbot, dann hat Respektiere tatsächlich wirkliches
Neuland betreten; dann gehören wir zum erlauchten Kreise
jener, welche es geschafft haben, ein Gesetz zum Schutze der
Tiere Wirklichkeit werden zu lassen!!!!